Von Klimanetzwerken, Wissen und Zukunft
Ein Gespräch mit Sophie Baban
Wer Sophie Baban nach ihrem Beruf fragt, bekommt zunächst eine ziemlich eindeutige Antwort: Sie ist Netzwerkmanagerin des Klima-Netzwerks Schleswig-Holstein bei der EKSH. Doch hinter dieser Bezeichnung steckt ein ziemlich vielseitiger Arbeitsalltag.
Sophie organisiert Netzwerktreffen, entwickelt digitale Austauschformate, recherchiert aktuelle Themen, hält die Kommunikationsplattform des Netzwerks auf dem neuesten Stand und steht mit kommunalen Klimaschutz- und Klimaanpassungsfachleuten aus ganz Schleswig-Holstein im Austausch. Über 200 Mitglieder zählt das Netzwerk inzwischen.
Und dann gibt es da noch eine zweite Aufgabe, die gut zu ihrer Arbeit passt: Sophie konzipiert in diesem Jahr erstmals den Open-Campus-Kurs „Klimazukunft Sessions“.
Sophie, wie bist du eigentlich zur EKSH gekommen?
Ich habe hier in Kiel den Master Environmental and Resource Economics abgeschlossen. Ursprünglich komme ich aber tatsächlich aus dem Tourismusbereich und habe vorher Tourismusmanagement studiert.
Nach Corona habe ich die Chance genutzt, meinen Schwerpunkt noch einmal etwas anders zu setzen. Nachhaltigkeit hat mich schon während meines Studiums sehr interessiert. Deshalb bin ich für den Master nach Kiel gekommen.
Nach meinem Abschluss habe ich mich auf verschiedene Stellen in Kiel beworben – unter anderem bei der EKSH. Das Thema kommunaler Klimaschutz und inzwischen auch Klimaanpassung hat mich sehr angesprochen. Dann habe ich mich beworben und die Stelle bekommen.
Was gehört heute zu deinem Arbeitsalltag?
Eigentlich steht die Planung eines großen Netzwerktreffens immer irgendwo auf meiner To-do-Liste. Die Treffen finden zweimal im Jahr statt – und sobald eines abgeschlossen ist, beginnen schon wieder die Planungen für das nächste.
Dazu gehören Absprachen mit der jeweiligen Kommune, die das Treffen ausrichtet, mit den Fachleuten und natürlich auch die Frage: Welche Themen sind gerade im Netzwerk relevant und sollten wir bei einem Treffen aufgreifen?
Daneben plane ich regelmäßig digitale Austauschrunden. Dafür recherchiere ich: Welche Themen könnten interessant sein und wen könnten wir dafür als Speaker einladen?
Ein weiterer Teil meiner Arbeit ist die Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen auf Landesebene, etwa kommunalen Landesverbänden oder Energieagenturen. Dabei geht es darum, Informationen und Perspektiven aus den Kommunen zusammenzubringen und den Austausch zwischen den unterschiedlichen Akteuren zu fördern.
Und natürlich gibt es viele Kommunikationsaufgaben. Ich schaue täglich auf unserer internen Wissens- und Kommunikationsplattform, was gepostet wird, wo Fragen auftauchen und welche Veranstaltungen neu hinzukommen. Wenn sich neue Personen für das Netzwerk interessieren, übernehme ich das Onboarding.
Darüber hinaus bin ich an der Entwicklung neuer Projekte beteiligt, beispielsweise den KlimaKulturTagen Schleswig-Holstein. Bei diesem neuen Format möchten wir Klimaschutz und Kultur miteinander verbinden und Menschen auf kreative Weise für Klima- und Zukunftsthemen begeistern.
Und dann kommen noch die ganz normalen E-Mails und Anfragen dazu. Aktuell beschäftige ich mich außerdem sehr viel mit der Planung des opencampus.sh-Kurses.
Das Netzwerk gab es schon, bevor deine Stelle geschaffen wurde. Was hat sich verändert, seit du dabei bist?
Das Netzwerk gibt es bereits seit 2013. Vor meiner Zeit gab es diese Koordinierungsfunktion, wie ich sie heute innehabe, noch nicht.
Vorher wurde das Netzwerk vor allem von vier Personen zusammengehalten. Es gab zweimal im Jahr ein Netzwerktreffen. Viele Dinge, die heute dazukommen – etwa die regelmäßigen digitalen Austauschrunden, Newsletter oder die intensivere Öffentlichkeitsarbeit – gab es vorher in dieser Form nicht.
Auch die digitale Plattform habe ich eingeführt. Vorher lief der Austausch hauptsächlich über einen Mailverteiler. Informationen konnten dort schnell untergehen. Jetzt werden sie gesammelt und sind leichter auffindbar.
Was passiert bei einem Netzwerktreffen?
Die Treffen gehen normalerweise von 10 bis 16:30 Uhr. Am Vormittag gibt es zunächst zwei bis drei Vorträge. Dabei stellen sich zum Beispiel Initiativen, Institutionen oder Projekte vor.
Wichtig ist aber auch, dass die Menschen sich untereinander kennenlernen. Gerade für neue Mitglieder ist das relevant. Deshalb gibt es Kennenlernrunden, manchmal spielerisch, manchmal in kleineren Gruppen.
Nach dem Mittagessen wird es fachlicher: Am Nachmittag können die Teilnehmer aus mehreren Workshops auswählen. Dort geht es beispielsweise um Radverkehrskonzepte, Energy Sharing, Klimakommunikation oder Wärmeplanung.
Dabei geht es nicht nur um theoretisches Wissen. Besonders interessant sind Erfahrungsberichte aus den Kommunen: Wie habe ich etwas umgesetzt? Was hat gut funktioniert? Wo gab es Schwierigkeiten?
Was bedeutet diese Vernetzung für die Menschen, die daran teilnehmen?
Gerade in kleineren Kommunen sind Klimaschutzmanager teilweise allein für sehr viele Aufgaben verantwortlich. In größeren Städten gibt es ganze Teams oder Abteilungen. Wenn man aber allein arbeitet, kann man sich schnell mit einer Aufgabe oder einem Problem überfordert fühlen.
Deshalb ist der Austausch so wichtig. Man kann nachfragen und sich gegenseitig helfen.
Eine Begegnung ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Bei einem Netzwerktreffen kam eine Klimaschutzmanagerin auf mich zu und hat sich dafür bedankt, dass sie dabei sein konnte. Sie hatte bei dem Treffen eine andere Person aus dem Netzwerk kennengelernt, die an einem ähnlichen Thema arbeitete. Die beiden haben sich direkt ausgetauscht und Kontaktdaten geteilt. Für mich war schön zu sehen, dass sie gemerkt hat: Da beschäftigt sich noch jemand mit demselben Problem. Ich bin damit nicht allein.
Genau dafür ist das Netzwerk da und zeigt mir die Relevanz meiner Arbeit auf.
Neben deiner Arbeit bei der EKSH konzipierst du jetzt auch den opencampus.sh-Kurs „Klimazukunft Sessions“. Wie kam es dazu?
Die Kurse wurden in den vergangenen Jahren schon von einem Kollegen organisiert. Das habe ich übernommen und finde die Verbindung zwischen meiner beruflichen Arbeit und diesen Bildungs- und Austauschformaten sehr spannend.
Die Themen des Kurses passen außerdem sehr gut zu denen, mit denen ich mich auch im Klimanetzwerk beschäftige. Dadurch kann ich beispielsweise auf Experten und Expertinnen aus dem Netzwerk zurückgreifen und sie für einzelne Sessions einladen.
Was erwartet die Teilnehmer bei den „Klimazukunft Sessions“?
Der Kurs besteht aus neun Sessions mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen. In jeder Session gibt eine Referentin oder ein Referent zunächst einen fachlichen Input. Danach gibt es Raum für Fragen und Diskussion.
Mir ist wichtig, dass es nicht wie klassischer Frontalunterricht funktioniert. Die Teilnehmer sollen mitdiskutieren und ihre Fragen einbringen können.
Der Name „Klimazukunft Sessions“ ist dabei bewusst gewählt. Wir wollen uns anschauen, wie wir ein klimaneutrales Schleswig-Holstein bis 2040 und Deutschland bis 2045 erreichen können.
Dabei schauen wir zunächst auf den Status quo: Was passiert bereits? Gleichzeitig wollen wir den Blick nach vorne richten und fragen, was noch notwendig ist.
Das betrifft ganz unterschiedliche Bereiche – Strom, Wärme und Gebäude, Mobilität, aber auch Klimaanpassung. Denn mit den Folgen des Klimawandels müssen wir bereits heute umgehen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die gesellschaftliche Perspektive: Wie schaffen wir Akzeptanz und Beteiligung? Eine Transformation betrifft Menschen unterschiedlich und auch die Kosten werden unterschiedlich getragen. Das müssen wir mitdenken.
Der Kurs richtet sich an Studierende?
Ja, aber nicht ausschließlich. Gerade weil Open Campus viele junge Studierende erreicht, finde ich es außerdem spannend, bei den Sessions auch unterschiedliche Berufsfelder vorzustellen.
Wir haben Experten und Expertinnen aus verschiedenen Institutionen dabei – zum Beispiel aus der Wissenschaft, aus Verbänden oder aus dem Mobilitätsbereich. Für Studierende kann es interessant sein zu erfahren, welchen Weg diese Menschen gegangen sind und welche beruflichen Möglichkeiten es in diesem Bereich gibt.
Aber grundsätzlich sind alle Interessierten willkommen.
Was verbindet deine Arbeit bei der EKSH mit deiner Rolle im Open Campus?
Für mich geht es in beiden Bereichen um Austausch und darum, Wissen zugänglich zu machen.
Bei meiner Arbeit im Klima-Netzwerk geht es viel darum, Menschen zusammenzubringen und Erfahrungen miteinander zu teilen. Bei opencampus.sh geht es stärker darum, Wissen von Fachleuten weiterzugeben und anschließend gemeinsam darüber zu diskutieren.
Und auch dort möchte ich nicht einfach nur einen Vortrag organisieren. Die Teilnehmer sollen Fragen stellen können und unterschiedliche Perspektiven kennenlernen.
Wenn du deinen Arbeitsalltag zusammenfassen müsstest: Was bewegt dich an deiner Arbeit?
Meine Arbeit fühlt sich natürlich nicht jeden Tag spektakulär an. Vieles passiert am Laptop: koordinieren, abstimmen, E-Mails schreiben, Menschen zusammenbringen und Dinge planen.
Aber gerade bei meiner Arbeit führen viele kleine Dinge irgendwann zu einem Ergebnis.
Ein gutes Beispiel ist die digitale Wissensplattform. Ich habe monatelang recherchiert und überlegt, wie man sie aufbauen könnte. Heute läuft sie einfach und wird gemeinsam genutzt. Man denkt irgendwann gar nicht mehr darüber nach, wie viel Arbeit vorher darin gesteckt hat.
Ähnlich ist es bei einem Netzwerktreffen. Im Vorfeld gibt es unzählige kleine Absprachen und Planungen. Und dann kommt irgendwann der Tag, an dem die Menschen zusammenkommen, miteinander sprechen und gemeinsam an Themen arbeiten.
Dann sieht man das Ergebnis.
Wissen weitergeben, Zukunft gestalten
Vielleicht ist genau das die Verbindung zwischen Sophies beiden Aufgaben: Wissen soll nicht auf dem eigenen Schreibtisch bleiben.
Im Klima-Netzwerk bedeutet das, dass eine Klimaschutzmanagerin aus einer Kommune von den Erfahrungen einer anderen profitieren kann. Beim Open Campus geht es darum, Fachleute und Interessierte zusammenzubringen, um gemeinsam über die Herausforderungen der Zukunft zu sprechen.
Mit den „Klimazukunft Sessions“ möchte Sophie deshalb nicht nur zeigen, wo Schleswig-Holstein beim Klimaschutz heute steht. Es geht auch um die Frage, wo wir hinmüssen – und was dafür noch passieren muss.
Lust, dabei zu sein?
Wer tiefer in die Themen rund um Klimaschutz, Klimaneutralität und Klimaanpassung einsteigen und dabei mit Experten und Expertinnen sowie anderen Interessierten ins Gespräch kommen möchte, kann sich hier Klimazukunft Sessions | EduHub bis 23.10.2026 anmelden.
Auch im Klima-Netzwerk freut man sich über neue Mitglieder. Sprechen Sie Sophie Baban direkt an!
eksh.org
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