"Ich finde, ich habe das beste Thema von allen."
Dorothea Steckhan verbindet Chemie, Schule und Energiewende
Eine Brausetablette im Wasser, eine kleine Rakete oder ein Experiment, bei dem es bunt wird und sprudelt: Für Dorothea Steckhan sind solche Versuche mehr als ein spannender Moment im Unterricht. Sie können der Anfang einer Begeisterung sein: Für Naturwissenschaften, für technische Zusammenhänge und vielleicht sogar für einen Beruf, den man vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Genau diese Begeisterung möchte die Nachwuchswissenschaftlerin weitergeben.
In ihrer Promotion am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel beschäftigt sie sich mit der Frage, wie Unterrichtsmaterialien Schülerinnen und Schüler für Berufsfelder rund um Erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Nachhaltigkeit interessieren können. Dabei geht es ihr nicht nur darum, naturwissenschaftliches Wissen zu vermitteln. Sie möchte jungen Menschen zeigen, welche vielfältigen beruflichen Möglichkeiten hinter diesen Zukunftsthemen stecken und ihnen helfen, herauszufinden, was davon zu ihren eigenen Interessen und Fähigkeiten passen könnte.
Mehr als Labor und Reagenzglas
Dass Dorothea einmal zur naturwissenschaftlichen Bildung forschen würde, zeichnete sich nicht von Anfang an ab. Sie hat Lehramt mit den Fächern Mathematik, Chemie und evangelische Religion studiert. Die Begeisterung für Wissenschaft und Forschung war allerdings schon während des Studiums da. Sie wollte nicht nur Wissen erwerben, sondern auch verstehen, wie neue Erkenntnisse entstehen und wie sie in der Praxis Anwendung finden.
Die Promotion bot ihr die Möglichkeit, diese Interessen miteinander zu verbinden. Ihr Thema vereint Schule, Forschung, Berufsorientierung und den Austausch mit Unternehmen. „Ich habe ein sehr praktisches Thema“, erzählt sie im Gespräch. Besonders reizvoll findet sie, dass sie sich intensiv mit einem Themenfeld beschäftigen, Neues ausprobieren und eigene Experimente entwickeln kann.
Auch für ihren späteren Berufsweg sieht sie darin einen Gewinn. Selbst wenn sie irgendwann wieder als Lehrerin arbeitet, wird sie aus ihrer Promotionszeit viele aktuelle Einblicke in Forschung, Industrie und die Denkweisen von Schülerinnen und Schülern mitnehmen.
Wie sieht die Arbeit hinter der Energiewende aus?
Energiespeicher sind ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig Zukunftsthemen sein können. Wer an Batterien denkt, denkt vielleicht zunächst an Lithium-Ionen-Akkus. Doch Energiespeicherung umfasst weit mehr: von Wärme- und Pumpspeichern bis hin zu den Materialien, aus denen Batterien bestehen, und den Menschen, die an ihrer Entwicklung und Herstellung arbeiten.
Genau hier setzt Dorotheas Forschung an. Sie möchte Unterrichtsmaterialien entwickeln, die naturwissenschaftliche Inhalte mit konkreten Einblicken in die Arbeitswelt verbinden. Schülerinnen und Schüler sollen beispielsweise nicht nur erfahren, wie ein Akku funktioniert. Sie sollen auch kennenlernen, welche Berufe an seiner Entwicklung beteiligt sind, welche Aufgaben diese Menschen übernehmen und welche Fähigkeiten sie dafür benötigen.
Dafür beschäftigt sich Dorothea zunächst mit den Perspektiven von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Unternehmen. Sie untersucht, welche Vorstellungen von den jeweiligen Berufsfeldern bereits vorhanden sind und welche Tätigkeiten tatsächlich zum Arbeitsalltag gehören. Die Erkenntnisse sollen in authentische Aufgaben und Experimente einfließen.
Denn viele MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sind vielseitiger, als es gängige Vorstellungen vermuten lassen. Naturwissenschaftliche Arbeit bedeutet nicht zwangsläufig, den ganzen Tag allein im Labor zu stehen. Sie kann genauso Projektmanagement, Kommunikation, kreative Problemlösung und die Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Menschen umfassen.
Ob ihre Unterrichtsmaterialien diese Berufsbilder tatsächlich verändern und das Interesse der Jugendlichen fördern, will Dorothea im Rahmen ihrer Forschung untersuchen. Dazu möchte sie erfassen, wie Schülerinnen und Schüler die Berufe vor und nach der Auseinandersetzung mit den Materialien wahrnehmen.
Nachhaltigkeit zum Anfassen
Besonders wichtig ist Dorothea, dass die Jugendlichen selbst aktiv werden. Die geplanten Materialien sollen deshalb auch praktische Experimente enthalten. Dabei können sie beispielsweise lernen, wie Energiespeicher funktionieren, welche Bestandteile in einer Batterie stecken und vor welchen Herausforderungen die Entwicklung und Nutzung solcher Technologien steht.
Denn die Energiewende wirft nicht nur naturwissenschaftliche Fragen auf. Auch die Herkunft benötigter Rohstoffe, Recycling, Umweltfolgen und globale Abhängigkeiten spielen eine Rolle. Dorothea möchte diese Zusammenhänge sichtbar machen und zeigen, dass technische Entwicklungen immer auch gesellschaftliche Fragen berühren.
Dass sie ihre Begeisterung für Naturwissenschaften direkt weitergeben kann, gehört für sie zu den schönsten Seiten ihrer Arbeit. Bei Veranstaltungen wie der Kieler Woche hat sie bereits Experimente einem jungen Publikum vorgestellt. Wenn Kinder dabei staunen, Fragen stellen und selbst etwas ausprobieren möchten, erlebt sie unmittelbar, wie viel Neugier solche Begegnungen wecken können.
Auch Rückmeldungen aus der Fachwelt haben sie bestärkt. Nach Vorträgen wurde sie von einer ehemaligen Lehrkraft und einem Professor angesprochen, die ihren Ansatz der praxisnahen Berufsorientierung positiv hervorhoben. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Botschaft, dass solche Erfahrungen tatsächlich etwas bewirken können: Jugendliche können durch konkrete Einblicke Berufe entdecken, für die sie sich sonst vielleicht nie entschieden hätten.
Was das EKSH-Promotionsstipendium möglich macht
Auf das EKSH-Promotionsstipendium wurde Dorothea durch eine ehemalige Kollegin aufmerksam. Als sie von ihrem Wunsch erzählte, im Bereich Energiespeicherung zu promovieren, empfahl diese ihr, sich bei der EKSH zu bewerben. Dorothea griff den Vorschlag auf und erhielt damit Unterstützung für ihren weiteren wissenschaftlichen Weg.
Für sie ist die Förderung aus zwei Gründen besonders wertvoll. Zum einen schafft sie die finanzielle Grundlage für die Promotion. „Ohne Stipendium könnte ich nicht promovieren“, sagt sie offen.
Zum anderen profitiert Dorothea ganz konkret vom Netzwerk der EKSH und der Unterstützung von Dr. Thies Rasmus Popp. Für ihre Forschung führt sie Interviews und ist auf Kontakte zu Unternehmen angewiesen. Über die EKSH konnte sie entsprechende Verbindungen herstellen. „Ob ich fachliche Anregungen brauche oder geeignete Gesprächspartner suche, Thies ist für mich ein wertvoller Sparringspartner“, sagt sie.
Die Förderung bedeutet für Dorothea also nicht nur Zeit für die eigene Forschung, sondern auch Zugang zu Menschen und Perspektiven, die ihr Projekt weiterbringen. Damit erfüllt das Stipendium eine wichtige Funktion: Es unterstützt Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler nicht nur finanziell, sondern bringt sie auch miteinander und mit relevanten Akteuren aus der Praxis in Kontakt.
Ein Weg, viele Möglichkeiten
Wo sie nach der Promotion beruflich landen wird, lässt Dorothea bewusst offen. Ursprünglich ging sie davon aus, anschließend auf jeden Fall in die Schule zu gehen. Das Referendariat kann sie sich weiterhin gut vorstellen. Durch ihre Arbeit hat sie jedoch neue Möglichkeiten entdeckt: die praktische Wissenschaft, die Projektarbeit und die Entwicklung von Experimenten und Angeboten für Schülerforschungszentren.
Gerade diese Verbindung aus Chemie, Kreativität und direktem Kontakt mit jungen Menschen reizt sie. Vielleicht entwickelt sie also auch in Zukunft Experimente, mit denen Schülerinnen und Schüler naturwissenschaftliche Phänomene selbst entdecken können.
Dass sich ihr beruflicher Blick während der Promotion erweitert hat, empfindet Dorothea als Bereicherung. Deshalb ermutigt sie auch andere Studierende, offen für neue Erfahrungen zu sein und unterschiedliche Wege auszuprobieren. Denn manchmal entdeckt man erst dabei Interessen und berufliche Möglichkeiten, die man vorher noch gar nicht im Blick hatte.
Und ihr wichtigster Rat? Sich nicht entmutigen lassen, wenn das Studium schwierig wird und sich Verbündete suchen. Freundschaften und eine Gruppe, mit der man Herausforderungen gemeinsam bewältigt, haben auch ihr selbst geholfen.
Dorotheas Geschichte zeigt, dass eine Promotion nicht zwangsläufig auf einen einzigen Beruf hinauslaufen muss. Sie kann Raum schaffen, neue Fähigkeiten zu entwickeln, Kontakte zu knüpfen und berufliche Perspektiven zu entdecken. Für Dorothea ist es vor allem die Möglichkeit, ihre Begeisterung für Chemie und Forschung mit einer Frage zu verbinden, die weit über das Labor hinausreicht: Wie können junge Menschen die Zukunft der Energieversorgung mitgestalten und dabei ihren eigenen Weg finden?
Interesse am EKSH-Promotionsstipendium?
Die EKSH vergibt ein- bis zweimal jährlich neue Promotionsstipendien. Über die Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten entscheidet die Geschäftsführung auf Empfehlung einer unabhängigen Fachjury. Bei Fragen zum Förderangebot steht Ihnen Dr. Thies Popp gerne zur Verfügung.
eksh.org
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